AG Berlin-Mitte * 112 C 3048/10

Soweit sich die Beklagte gegen die Erstattungsfähigkeit des Honorars des Sachverständigen …insgesamt mit der Begründung wendet, das Gutachten sei nicht brauchbar, folgt das Gericht dieser Auffassung nicht. Denn die nur eingeschränkte Brauchbarkeit eines Gutachtens infolge von möglicherweise nicht kompatiblen Schäden bei der Kostenkalkulation hat die Klägerin als Geschädigte nicht zu verantworten. Mängel eines Sachverständigengutachtens sind grundsätzlich dem Geschädigten nicht zuzurechnen, da dieser gerade wegen der fehlenden eigenen Sachkunde einen Gutachter beauftragt hat. Der Gutachter ist nicht Erfüllungsgehilfe des Geschädigten. Ein ganz oder teilweise unbrauchbares Gutachten muss sich der Geschädigte nur dann zurechnen lassen, wenn die Ursache der Unbrauchbarkeit aus dem Verantwortungsbereich des Geschädigten stammt, dieser etwa bewusst wahrheitswidrige Angaben bzgl. des Fahrzeugs gemacht oder etwaige Vorschäden verschwiegen hat. Anhaltspunkte dafür sind vorliegend aber nicht gegeben. Die Beklagte bzw. das von der Beklagten beauftragte Sachverständigenbüro … behauptet schon selbst nicht Vorschäden am klägerischen Fahrzeug, sondern lediglich eine geringere Intensität des Anstoßes und damit ein geringeres Schadensausmaß. Dieser Aspekt ist für die Kompatibilität der geltend gemachten Schäden und damit die Höhe der Reparaturkosten erheblich, nicht aber für die Erstattungsfähigkeit der Gutachterkosten des Klägers. Auftrag des Sachverständigen … war es schlie0lich auch nicht, ein Unfallrekonstruktionsgutachten zu erstellen, so wie es sie … gemacht hat.

Ob ein Bagatellschaden am klägerischen Fahrzeug vorliegt, ist nach wie vor offen und braucht auch nicht entschieden zu werden. Denn selbst wenn tatsächlich ein Bagatellschaden vorläge, zeigt der hiesige mittelbare Streit über den Schadensumfang, dass sich aufgrund des Schadensbildes gerade nicht vorab eindeutig abschätzen ließ, dass die Reparaturkosten unterhalb der Bagatellgrenze von 750,00 EUR bleiben, mithin die Einholung eines Sachverständigengutachtens nicht erforderlich ist. Auch insoweit bestehen keine Bedenken des Gerichts an der Erstattungsfähigkeit der Sachverständigenkosten.

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